Ich versteh das ja nicht. Die Leute, denen Discovery zu actionlastig war und „was im TNG-Stil“ wollten, beschweren sich jetzt, dass #Picard Schwierigkeiten beim Pacing hat, kleine Plotholes, nicht ganz rund wirkt und Fanservice betreibt.

Entschuldigung, habt ihr TNG _gesehen_?!

Als jemand, der mit TNG aufgewachsen ist, nen Plastiktricorder und -kommunikator besessen und dieses komische VHS-Tape-gestützte TNG-Brettspiel gespielt hat: #Picard ist genau richtig. Nicht _perfekt_, aber sehr gut.

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Ja, es gibt ein paar Plotholes, aber die gab’s und gibt’s doch immer. Ne gesunde Portion Suspension of Disbelief war schon immer Grundvoraussetzung für Star Trek. Werft mal euren Perfektionismus über Bord! Wie wollt ihr denn auf die Art jemals irgendwas genießen?

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#Picard ist politisch. Die Moralbotschaften sind deutlich, sind relevant, aber nicht zu sehr in your face. Picards Fehlbarkeit (und nicht nur seine) und der Umgang damit ist in meinen Augen _das_ Alleinstellungsmerkmal dieser Serie im Trek-Universum. Und war bitter nötig.

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Als Trekkie und Kind der 80er hat TNG meine Persönlichkeit, Moralvorstellungen, aber auch Lebensziele, signifikant geprägt. Aber Picard in TNG macht eben (fast) keine Fehler. Menschen im echten Leben machen das aber ständig. Wir brauchen Vorbilder für Fehlbarkeit & Unperfektion.

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Ich hab gestern diesen Stream von Marc Rebillet gesehen: pscp.tv/w/1OyKAYOlkQNKb Er macht Impro-Musik basierend auf Publikumsvorgaben, mit 90.000 Zuschauenden – und hatte ne totale Blockade. Wie er da durch gekommen ist (ca. 31:00–50:00) fand ich beeindruckend zu sehen.

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Marc ging damit nicht perfekt um. Er hat’s versucht zu überspielen, dann frustriert nen Zuschauer aus der Leitung geworfen, dann über seine Ängste gesprochen. Vor tausenden von Leuten. Ne Freundin rief ihn an und hat ihm Mut zugesprochen, ihn aufgebaut. Und alle schauten zu.

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Und ich find das so kraftvoll und so voller transformativer Energie. Überlegt mal, wenn wir das überall hätten. Schwächen eingestehen. Zulassen. Verständnis für Fuckups haben. Und dann überwinden. Ohne dass direkt alles in Trollerei, Negativität und Gehässigkeit abrutscht.

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Und da mach ich dann eben den Bogen zu #Picard. Raffi. Seven. Rios. Elnor. Jurati. Soji. Und nicht zuletzt Picard selbst. Wer aus dieser Crew ist eigentlich nicht auf die ein oder andere Art kaputt, traumatisiert, fehlerbehaftet? Aber alle akzeptieren und unterstützen sich.

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Deshalb möchte ich den Leuten, die in neueren Star-Trek-Inkarnationen die „Utopie“ vermissen, weil die Sternenflotte nicht mehr die Saubermänner sind, zurufen: Look closer. Die Utopie ist immer noch da. Sie ist nur keine technisch-gesamtgesellschaftliche mehr. Sondern im Kleinen.

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Die Utopie fokussiert sich jetzt auf „angenommen, die Regierung/Elite/Ordnungskräfte sind korrumpiert, wie können wir als Normalos damit copen?“ Und haben wir hier in 2020 diese Perspektive nicht viel nötiger als Post-Scarcity-Supercomputer-Warpschiffe-Science-Fiction?

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(Side note: Die Föderation/Sternenflotte waren _noch nie_ die Saubermänner. Wie oft haben Kirk, Picard, Sisko (zurecht!) auf die Befehle von oben geschissen? Section 31 existiert, Verschwörungen im Sternenflottenkommando, der komplette Plot von Insurrection. Macht die Augen auf.)

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@scy Das ganze Konzept der Föderation/von TNG basiert auf „gutem“ Kolonialismus. Die Prime Directive ist da höchstens ein Pflaster, das on-screen sogar meistens umgangen wird. Ich mag TNG sehr, aber das wird in der Serie selten hinterfragt.

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